Das ifeu veröffentlicht Hemmnisanalyse zu Oberleitungs-Hybrid-Lkw

© Julius Rücker / ifeu

Im Güterverkehr sind Flexibilität, Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit heute mehr denn je die entscheidenden Kriterien bei der Wahl der Verkehrsmittel. Nationale wie internationale Prognosen zeigen, dass auch in Zukunft der Hauptteil des Gütertransports auf der Straße stattfinden wird, wo nach wie vor Lkws mit Dieselmotoren dominieren. Diese sind durch ihren hohen technologischen Reifegrad, globale Distributionsnetzwerke der Hersteller sowie eine flächendeckende Service- und Tankstelleninfrastruktur der Vergleichsmaßstab für neue Antriebe, jedoch auch Hauptverursacher klimawirksamer Treibhausgase im Verkehrsbereich. Um die von der internationalen Staatengemeinschaft vereinbarten Klimaschutzziele einhalten zu können, muss der konventionelle Dieselantrieb entweder dekarbonisiert oder von alternativen Lkw-Antriebskonzepten abgelöst werden.

Das Forschungsvorhaben „Roadmap OH-Lkw“ untersucht die Einführung eines Oberleitungs-Hybrid-Systems für schwere Lkw. Die Stromzufuhr erfolgt hierbei direkt über eine Oberleitung. Bei Nutzung erneuerbaren Stroms birgt dieses System ein enormes Potenzial zur Einsparung von Treibhausgasemissionen. Die Markteinführung des Oberleitungshybrid-Systems steht jedoch auf Grund der hohen infrastruktur- und fahrzeugseitigen Kosten vor großen Herausforderungen. Darum müssen insbesondere in der Frühphase wirtschaftlich vorteilhafte Einführungspfade identifiziert werden. Begrenzt wird das Spektrum möglicher erster Anwendungsfälle durch verschiedene Hemmnisse, die sich zum einen aus den Besonderheiten der OH-Systemarchitektur und zum anderen aus etablierten logistischen Abläufen und Prozessen ergeben. Wichtige Schlussfolgerungen beziehen sich auf drei, für die Einführung des OH-Systems zentrale Bereiche:

  • Infrastruktur: Eine frühzeitige Standardisierung der Streckenbewertung und des Planungsverfahrens könnten helfen, den Aufbau der Infrastruktur zu beschleunigen. Unsicherheiten hinsichtlich der Verkehrsnachfrage auf Oberleitungsstrecken sollten soweit wie möglich eingegrenzt und Verantwortlichkeiten so gestaltet werden, dass ein längerfristiger Betrieb der Infrastruktur sowie ein planbarer Ausbau gewährleistet sind.
  • Fahrzeug: Aufgrund der hohen Investitionskosten ist für die Einführung des OH-Systems eine Bündelung der vorhandenen Ressourcen essenziell. Die Kombination aus Sattelzugmaschine und Sattelauflieger ist sowohl für die Integration der fahrzeugseitigen OH-Technologie als auch für die Flexibilität des Fahrzeugeinsatzes vorteilhaft und sollte daher im Fokus stehen.
  • Anwender: Eine besondere Herausforderung für die Einführung des OH-Systems ist die Überwindung marktseitiger Hemmnisse. Aus Sicht der Flottenbetreiber sind dabei ein verlässliches und robustes Antriebssystem, ein hohes Maß an Flexibilität im Fahrzeugeinsatz und eine planbare Kostenstruktur angesichts von Unsicherheitsfaktoren wie dem Oberleitungsausbau und der Wertentwicklung von OH-Fahrzeugen zentrale Aspekte.

Die nun vorliegende Hemmnisanalyse konkretisiert diese Herausforderungen und zeigt Lösungsansätze auf.

Zur Hemmnisanalyse (pdf, 1 MB)

Zur Projektseite Roadmap OH-Lkw

Julius Jöhrens

Dipl.-Physiker
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E-Mail: julius.joehrens@ifeu.de