English English Startseite & Aktuelles Das Institut Referenzen Kontakt & Impressum Sitemap Suchen
Abfallwirtschaft Bildung & Information Energie Industrie & Emissionen Biomasse & Lebensmittel Nachhaltigkeit Ökobilanzen Risikobewertung UVP & SUP Verkehr & Umwelt
Ökobilanzen
Sie befinden sich hier: Home - Ökobilanzen - Verpackungsökobilanzen - Umweltwirkungen von Verpackungen aus Biokunststoffen

Umweltwirkungen von Biokunststoffen

 
nach oben

 
 

neue IFEU Studie veröffentlicht

 

Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH (ifeu) hat im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) eine Studie zum Thema Umweltwirkungen von Verpackungen aus Biokunststoffen erstellt. Hintergrund war die 5. Novelle der Verordnung über die Ver-meidung und Verwertung von Verpackungsabfällen (VerpackV), die eine Sonderregelung für biologisch abbaubare Kunststoffe bis zum 31.12.2012 beinhaltet. Die Studie beruht auf einer umfangreichen Literaturrecherche sowie eigens durchgeführten ökobilanziellen Berechnungen. Bestandteil sind zudem eine Marktbetrachtung, ein Meinungsbild der Marktakteure sowie Aspekte der Flächenkonkurrenz.

Da in den letzten Jahren ein Trend hin zu biobasierten, aber nicht kompostierbaren Kunst-stoffen zu beobachten war, sind in dieser Studie sowohl die „bioabbaubaren Verpackungen“ als auch die „biobasierten, nicht bioabbaubaren Verpackungen“ berücksichtigt.

 

Ökologische Bewertung

Im Zuge der Untersuchung wurden 85 wissenschaftliche Arbeiten vorausgewählt, von denen 19 in einer vertieften Analyse ausgewertet wurden. Zur Berücksichtigung von erst seit kurzem marktverfügbaren Neuentwicklungen sowie noch im Entwicklungsstadium befindlichen Innovationen zur Rohstoffbasis bzw. der Verfahren zur Biomassekonversion wurden zudem Übersichtsökobilanzen durchgeführt.

Es erwies sich, dass Pauschalaussagen zur ökologischen Bewertung von Biokunststoffverpackungen nicht möglich sind. Häufig zeigen Biokunststoffe unter der Voraussetzung, dass sie weitestgehend oder gar vollständig biobasiert sind und zum anderen eine den konventionellen Kunststoffen vergleichbare Verpackungsleistung aufweisen (z.B. ähnliches Gewicht, ähnliche mechanische Eigenschaften), in der Ökobilanz bessere Ergebnisse hinsichtlich der Treibhausgasemissionen und des fossilen Ressourcenverbrauchs. Andererseits zeigen sich dieselben Biokunststoffverpackungen oft ungünstiger hinsichtlich anderer Umweltindikatoren, wie Versauerung, aquatische und terrestrische Eutrophierung. Gesamtökologisch sind diese Biokunststoffe deshalb nicht zwangsläufig besser, aber auch nicht schlechter als die konventionellen Kunststoffe.

Biokunststoffverpackungen, deren Eigenschaften vor allem auf eine Kompostierbarkeit ausgerichtet sind, enthalten in aller Regel größere Anteile an fossilen Co-Polymeren. Sehr häufig ist auch ihre Verpackungsleistung eingeschränkt. Solche Produkte können in der Ökobilanz sogar gesamtökologische Nachteile gegenüber den konventionellen Konkurrenzprodukten haben.

Für die Bewertung von einzelnen Verpackungsanwendungen aus Biokunststoffen ist also eine differenzierte Betrachtung angeraten. Die Studie zeigt zudem, dass sich die Umweltwirkungsprofile vieler Biokunststoffe seit ihrer Erstentwicklung stark verbessert haben und weiterhin beträchtliche Optimierungspotenziale bestehen.

 

Marktbetrachtung

Der Marktanteil von Biokunststoffverpackungen in Deutschland lag im Jahr 2009 geschätzt bei 0,5 %. Demnach war ein Marktimpuls durch die Sonderregelung praktisch nicht gegeben. Bis 2015 ist davon auszugehen, dass sich der Anteil auf ca. 1 - 2  % erhöhen wird. Der Anteil könnte sich weiter erhöhen, wenn die Verwendung von Biokunststoffverpackungen durch Markenartikler einen Marktimpuls auslöst.

Insgesamt ist ein Trend zu einem verstärkten Einsatz von biobasierten, aber nicht bioabbaubaren Verpackungen aus Bio-PE und Bio-PET festzustellen. Bei den formstabilen PLA-Verpackungen scheint der Aspekt der Bioabbaubarkeit in der Marktbewertung der Produkte zugunsten einer Strategie in Richtung roh- bzw. werkstofflicher Verwertung an Bedeutung zu verlieren.

Problematisch bleibt die Entsorgungssituation vor allem bei Verpackungen aus kompostierbaren Materialgemischen. Hier dürfte auch in nächster Zukunft keine gezielte Entwicklung in Richtung stoffliches Recycling zu erwarten sein. Die Werkstoffe sind insgesamt sehr heterogen und damit für eine stoffgruppenspezifische Positivsortierung sowie für stoffliche Recyclingverfahren wenig geeignet. Es gilt zudem, die unter deutschen Randbedingungen für bioabbaubare Kunststoffverpackungen vergleichsweise ungünstige ökobilanzielle Bewertung der Kompostierung im Vergleich zur energetischen Verwertung zu beachten.

 

Flächendiskussion

In der Studie wurde auch die aktuelle Diskussion um die weltweite Flächennutzung (Tank vs. Teller) aufgegriffen. Die Einführung von Biokraftstoffen im Transportsektor und die Nutzung von Biomasse zur Wärmegewinnung haben die Nutzungskonkurrenz um Ackerflächen für Anbaubiomasse verstärkt. Die Nachfrage nach Biomasse zur Kunststoffproduktion könnte die Konkurrenzsituation weiter antreiben.

Einerseits wird durch Biokunststoffverpackungen in Deutschland in den kommenden Jahren weniger als 0,001 % der globalen Agrarflächen in Anspruch genommen. Andererseits darf der deutsche Markt für Biokunststoffverpackungen nicht isoliert betrachtet werden. Vielmehr ist der Blick auf den globalen Biokunststoffmarkt zu richten. Der Flächenbedarf dafür könnte im Jahr 2020 bei etwa 0,1 % der globalen Agrarflächen liegen.

Trotz dieses geringen Flächenbedarfs muss vor einer Bagatellisierung gewarnt werden, da jede zusätzliche Nachfrage dazu geeignet ist, die Problematik zu verschärfen. Daher sind - im Prinzip schon heute - Mechanismen erforderlich, die eine nachhaltige Nutzung sicherstellen, etwa über Zertifizierungssysteme und Nachweise zur Kontrolle der Lieferketten.

 

Ausblick

In Bezug auf die Sonderregelung der Verpackungsverordnung kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass weder aus ökologischer noch aus abfallwirtschaftlicher Sicht ein unmittelbarer Handlungsdruck für eine Fortführung der Sonderbehandlung biologisch abbaubarer Verpackungen besteht. Eine weitere Förderung von Biokunststoffver­packungen sollte in Abstimmung mit sonstigen Förderinstrumenten für die stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen erfolgen.

Der Kunststoffverpackungsmarkt dürfte angesichts der sich andeutenden Verknappung von Erdöl langfristig auf ein überwiegend biogenes Kohlenstoffgerüst angewiesen sein. Es gilt daher, für die Zukunft eine verlässliche und nachhaltig bereitgestellte Rohstoffbasis für die Herstellung von Biokunststoffen sicherzustellen. Dazu werden Handlungsoptionen und -notwendigkeiten in der Studie aufgezeigt.

Zum anderen geht es um die Entlastung des Nachfragedrucks auf primäre Rohstoffe durch den Einsatz von sekundären Rohstoffen oder durch die Mehrfach- bzw. Kaskadenverwendung. Der Kunststoffverpackungssektor ist dabei auf hochwertige Recyclingmaterialien angewiesen. Durch eine Zusammenführung beider Aspekte könnten weitere Synergien nutzbar gemacht werden: das (werk)stoffliche Recycling von Biokunststoffverpackungen oder der Einsatz von Biokunstoffen in Mehrwegverpackungen.

 

Link zum Download der Vollstudie (Website UBA)

Download dieser Information als pdf (394 KB)

 

 
 
nach oben

 
 

Ansprechpartner

 

Andreas Detzel (andreas.detzel@ifeu.de)

 
 
nach oben

 
 Druckversion  Link zu dieser Seite versenden Letzte Änderung: 24. 10. 2012

 

Umberto