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Schließung des IEER in Washington: Ende einer fruchtbaren, transatlantischen Partnerschaft für unabhängige Umweltforschung

In den USA trafen Anfang der achtziger Jahre zwei Männer aufeinander, die sich beide der kritischen, wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Atomkraft gewidmet hatten: Arjun Makhijani, Nuklearingenieur aus Berkeley, und Bernd Franke, der am ifeu zu Radioökologie und den Folgen von Nuklearunfällen forschte. In Zeiten des kalten Krieges und wachsender atomarer Bedrohung einerseits und einer sich neu formierenden Anti-Atomkraft-Bewegung andererseits stand das Treffen unter einem guten Stern. Das ifeu war zu diesem Zeitpunkt bereits ein zentraler Akteur in der deutschen Anti-Atomkraft-Bewegung und prägte die Debatte durch Berichte wie das Wyhl-Gutachten. Vereint in dem Willen, sich für eine nachhaltige, demokratische Energiezukunft zu engagieren, gründeten Arjun Makhijani und Bernd Franke in Takoma Park, Maryland, einem Vorort von Washington DC, 1983 das Institute for Energy and Environmental Research, kurz IEER. Das Institut mit dem Leitmotiv „Science for Democratic Action“ verstand sich von Anfang an als Stimme der wissenschaftlichen Unabhängigkeit. Seine Arbeit konzentrierte sich auf kritische  Analysen der Atomenergie und Atomwaffen, etwa in Gutachten für Schadensersatzprozesse gegen Unternehmen der Rüstungsindustrie. Es untersuchte aber auch die Folgen von Atomtests, wie das Rongelap Resettlement Project in den Marshallinseln (Mitte der 1990er), und nahm die langfristigen Auswirkungen nuklearer Verseuchung in den Blick. Weg- und zukunftsweisend war das IEER in seiner unermüdlichen Förderung erneuerbarer Energien und nachhaltiger Technologien als Alternative zu fossilen und nuklearen Energiequellen. Das IEER finanzierte sich hauptsächlich durch Stiftungsgelder und Spenden. Trotz begrenzter Ressourcen prägte es die internationale Debatte durch technisch fundierte, aber öffentlich zugängliche Studien.

Auch nach Bernd Frankes Ausscheiden aus dem IEER 1998 blieb die Verbindung eng. Der inzwischen 81-jährige Arjun Makhijani hat nun die Schließung des IEER bekannt gegeben. Und damit das Ende einer Ära, in der gemeinsame Forschungsprojekte und gesellschaftspolitische Initiativen die europäische und US-amerikanische Klimapolitik noch zusammenbrachten. IEER und ifeu waren im besten Sinne eine transatlantische Partnerschaft für unabhängige Umweltforschung, auf die man in der heutigen, angespannten Situation zwischen den USA und Europa mit Wehmut zurückblickt. 

Wir wünschen Arjun Makhijani alles Gute für seinen weiteren Weg und sind uns sicher, dass wir auch nach seinem aktiven Ausscheiden aus dem IEER noch von ihm hören werden. Thank you and farewell, Arjun!