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ifeu-Podcast: Wie können wir gut und ökologisch wohnen?

ifeu update - der Podcast aus der Umweltforschung

„Auch das Wohnen muss mit den ökologischen Grenzen der Erde vereinbar sein“, sagt Margarete Over. Die Psychologin arbeitet seit 2019 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifeu. Im Rahmen des Projekts SuPraStadt (Suffizienzpraktiken in Stadtquartieren) schaut sie sich Wohninitiativen an, die Wege zum guten, klimafreundlichen Wohnen finden wollen. Stella Schalamon und Marcus Franken, beide Umweltredakteur*innen bei der Kommunikationsagentur Ahnen&Enkel, haben darüber mit ihr der neuen Folge von „ifeu update“ gesprochen.

Die Wohnfläche pro Kopf hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Allein zwischen 1990 und 2019 sei der Bundesdurchschnitt von 35 Quadratmeter auf 47 Quadratmeter pro Kopf angestiegen, sagt Over im Podcast. „Prognosen gehen davon aus, dass das so weitergeht.“ Was durch höhere Baustandards an Energie und Ressourcen eingespart wurde, habe dieses enorme Wachstum sogleich wieder verschluckt. „Je mehr Wohnfläche genutzt wird, desto höher sind die ökologischen Wirkungen, die damit einhergehen.“

Raumwohlstand statt immer größere Wohnungen

Over geht es deshalb um Raumwohlstand –  dem Gefühl, dass einer Person genügend Raum zur Verfügung steht. Dieser Raum müsse nicht an der eigenen Wohnungsgrenze enden, sondern könne sich auch auf Räume in der Nachbarschaft oder im Stadtquartier beziehen. Over: „Wenn etwa der Platz in der Nähe im Sommer mein zweites Wohnzimmer wird.“

Konkret schaut sich Over das an einem Wohnprojekt in Heidelberg namens Collegium Academicum an: ein Wohnheim für Studierende und Auszubildende, das soziale und ökologische Aspekte verbinden soll. Das barrierefreie Passivhaus wird Ende des Jahres fertiggestellt werden und dann 176 Menschen Platz zum Wohnen und Arbeiten in Selbstverwaltung bieten. Als Holzskelettbau hat das Gebäude kaum tragende Wände, sodass sich fast alle Wände flexibel verstellen lassen. So können die Bewohner:innen den Wohnraum individuell an ihre Bedürfnisse anpassen.

Zudem stehen allen Bewohnenden rund 500 Quadratmeter Gemeinschaftsfläche zur Verfügung. Und nicht nur ihnen. Mit Angeboten zum Teilen soll das Wohnheim in das gesamte Stadtquartier hineinwirken und auch den Anwohner:innen etwa mit einer Aula und einer Werkstatt neue Räume erschließen.

Solche Konzepte ließen sich auch auf die überhitzten Mietenmärkte in den Städten übertragen, sagt Over. Es gebe gute Möglichkeiten flexibleren und suffizienteren Wohnraum im konventionellen Immobilienmarkt umzusetzen – besonders wenn die Kommunen dies fördern. „Wenn renditeorientierte Unternehmen aber Angebote mit wenig Fläche und hohem Raumwohlstand schaffen, dann müssen auch die absoluten Mieten sinken“, warnt Over. „Sonst bleiben die sozialen Ziele beim ökologischen Bauen auf der Strecke.“

Das ifeu- Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg zählt zu den bedeutenden ökologisch ausgerichteten Forschungsinstituten in Deutschland. Wissenschaftler*innen forschen dort seit über vierzig Jahren zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen.  In „ifeu update“ berichten sie interessierten Verbraucher*innen etwa einmal monatlich über ihre Forschung, geben Einblicke in ihre Studien und ordnen aktuelle Ereignisse aus der Klimapolitik ein.

Der Podcast kann über die Webseite des ifeus, Spotify, Google und Apple Podcasts sowie auf Youtube angehört und abonniert werden.

In den nächsten Folgen von „ifeu update“ soll es um die Entwicklung des kommunalen Klimaschutzes der letzten dreißig Jahre und die Klimapolitik im aktuellen Wahlkampf gehen.

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