Caravaning

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Klimabilanz von Reisen mit Reisemobilen und Caravans

Laufzeit

Februar 2020 – September 2020

Auftraggeber

Erstellt im Auftrag des Caravan Industrie Verbands e.V. und der Caravaning Informations GmbH

Projektbeschreibung

Die Studie ermittelt die Emissionen und den Energieverbrauch von Reisemobilen und Caravans über deren Lebensdauer bzw. über ein durchschnittliches Jahr. Zudem vergleicht sie typische Reisemobil- bzw. Caravanreisen mit anderen Reisetypen. In der Klimabilanz sind neben den Emissionen aus der An- und Abreise auch diejenigen der Vor-Ort-Mobilität und von Übernachtungen berücksichtigt.

Hohe Emissionen bei der Herstellung von Reisemobilen und Caravans

Die Treibhausgasemissionen, die bei der Herstellung und Entsorgung eines Reisemobils entstehen, sind deutlich höher als bei einem mittleren Diesel-Pkw (10 t CO2äq): Die Reisemobile liegen zwischen 15,2 CO2äq (Kastenwagen) und 18,6 CO2äq (größere und schwerere, vollintegrierte Reisemobile). Zusammen mit den Emissionen aus der Nutzungsphase ergeben sich dabei für die betrachteten Reisemobile bei typischem Gebrauch mit knapp 10.000 km Jahresfahrleistung und 82 Übernachtungen im Jahr Emissionen zwischen 3,9 und 4,3 t CO2äq.

Ein Caravan sorgt bei der Herstellung für lediglich 5,6 t CO2äq Treibhausgasemissionen, benötigt jedoch zusätzlich ein Zugfahrzeug. Caravans werden dabei deutlich weniger genutzt als Reisemobile: Mit einer durchschnittliche Jahresfahrleistung von 5.100 km und 54 Übernachtungen ergeben sich jährliche Emissionen von 2 t CO2äq.

Im Reisevergleich kann Caravaning durch geringe Emissionen bei Übernachtungen punkten

Die hohen Emissionen bei der Herstellung und beim Fahren (+44 % bis +58 % gegenüber Diesel-Pkw) können durch geringe beim Übernachten und Wohnen in einigen Fällen kompensiert werden: So sind im Vergleich Caravanreisen dann vorteilhaft gegenüber Pkw-Reisen, wenn sie als langsames Reisen verstanden werden, d.h. wenige lange Urlaube mit möglichst kurzen Distanzen, wie bei der beispielhaft betrachteten zweiwöchigen Rügenreise. Emissionen pro Person von Reisen mit Reisemobilen und Caravans können zudem gemindert werden, indem die Auslastung erhöht wird oder das Reisemobil erst am Zielort gemietet wird, während die Anreise dorthin mit dem öffentlichen Verkehr erfolgt.

Insbesondere weist Caravaning aber dann einen Vorteil auf, wenn es mit Reiseformen verglichen wird, die vor der COVID-19-Pandemie geboomt haben: Kreuzfahrten und (Flug-)Fernreisen. Die Anreise mit der Bahn oder dem Fernbus ist in allen betrachteten Fällen die Variante mit den geringsten THG-Emissionen, unabhängig von der Übernachtungsform. Bei hohen Reisedistanzen verstärkt sich dieser Vorteil.

Emissionseinsparungen bei Caravans und Reisemobilen möglich

Unter den Reisemobilen sind Kastenwägen die effizienteste Form, mit einem Unterschied von etwa 10 % zu den sonstigen anderen betrachteten Mobilen. Technische Entwicklungen wie Leichtbau und Elektrifizierung haben auch bei diesen Fahrzeugen ein deutliches Potenzial zur Emissionsminderung. Diskutiert wird dabei insbesondere die Elektrifizierung von Caravans, die insbesondere auch die Nutzung von Elektroautos als Zugfahrzeuge ohne größere Reichweiteneinbußen erlaubt. Erste Abschätzung der Emissionen dieser Kombination zeigen Einsparungen gegenüber dem konventionell angetriebenen Gespann von etwa 25 % im Betrieb (bei heutigem Strommix). Dabei wird eine Mehrfachnutzung der Antriebskomponenten (Elektromotor, Batterie) angestrebt, z.B. als Rangierhilfe/Mover oder Bordbatterie, um die Mehremissionen der Herstellung durch den Wegfall anderer Komponenten zu reduzieren.

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