Gebäudemodell (GEMOD)
GEMOD ist ein am ifeu entwickeltes Modell zur Berechnung des Energieverbrauchs für Raumwärme und Trinkwarmwasser in Gebäuden. Ausgehend von der Darstellung des Ist-Zustands kann der künftige Verlauf des Verbrauchs unter verschiedenen Randbedingungen entwickelt werden. Damit kann es Entwicklungspfade des Gebäudesektors, Auswirkungen von Nutzerverhalten, technischen Entwicklungen und politischen Instrumenten abbilden und Handlungsbedarf ausweisen. Der Bilanzrahmen kann von einem einzelnen Bauteil bis zu beliebig großen Gebäudebeständen reichen. Der deutsche Gebäudebestand wird mit einem Mengengerüst abgebildet, das 234 Gebäudetypen enthält, unterschieden nach Gebäudealter, Nutzungsart (Wohngebäude, Büros, Schulen, Lagerhallen) und Geometrie. Heutige Sanierungszustände und Heizkesselbestände werden auf Basis von empirischen Daten des Instituts für Wohnen und Umwelt wiedergegeben. Der Energiebedarf für Heizung und Warmwasser wird bauteilscharf bottom-up berechnet sowie durch einen Top-Down-Abgleich an dem statistischen Endenergiebedarf kalibriert.
Das Verhalten der Nutzer kann in Abhängigkeit vom energetischen Gebäudezustand berücksichtigt werden. Das Modell stellt den Endenergieverbrauch getrennt für die einzelnen Energieträger dar und berechnet daraus im Folgenden den Primärenergieverbrauch, die Treibhausgasemissionen und die Brennstoffkosten.
Auf Basis der Nutzungsdauer von Bauteilen und Heizungstechnologien errechnet GEMOD die Austauschzyklen und damit die Zeitpunkte für mögliche energetische Sanierungen. Ferner können Dämmstoffstärken bzw. U-Werte der Bauteile für drei Sanierungsoptionen vorgegeben werden. Gebäude oder Bauteile, die aufgrund von Denkmalschutz oder anderen Restriktionen nicht oder nicht vollumfänglich gedämmt werden können, sind automatisch in GEMOD berücksichtigt. Die Investitionsentscheidungen beim Austausch von Heizungsanlagen können modellendogen auf Grundlage der spezifischen Wärmegestehungskosten modelliert werden. Dabei können Potenzialgrenzen (z.B. durch begrenzte Brennstoffverfügbarkeit oder Handwerkermangel) vorgegeben werden. Ebenfalls können Gebäudeabriss- und Neubauraten sowie die Klimaerwärmung exogen vorgegeben und variiert werden. Neben der Entwicklung des Energieverbrauchs berechnet GEMOD auch die durch die Gebäudesanierung induzierten Investitionskosten und Stoffströme.
Neben dem bundesdeutschen Gebäudebestand ist in GEMOD auch der Gebäudebestand von Baden-Württemberg und Heidelberg bereits angelegt.
Mit GEMOD werden in erster Linie Szenarien für die Dekarbonisierung des deutschen Gebäudebestands erstellt und deren volkwirtschaftliche Kosten und betriebswirtschaftliche Kosten aus Akteurssicht verglichen. Das Modell wurde auch eingesetzt, um die Potenziale und Restriktionen von Gebäudedämmung und Heizungstechnik hochzurechnen sowie die für die Gebäudesanierung erforderlichen Stoffströme zu ermitteln, die als Basis für umfassende Ökobilanzen dienen. GEMOD wurde mehrfach bei der Evaluierung von Energieberatungsprogrammen zur Quantifizierung der erzielten Einsparungen eingesetzt.
Perspektive der Vermietenden: Vergleich der relevanten Mittelströme vor und nach einer Sanierung bei aktuellen Randbedingungen
Kontakt
Peter Mellwig
Dipl.- Ing. (FH) Wirtschaftsingenieur
+49 (0)30 2844578 26
peter.mellwig@ifeu.de
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