Klimaschutzpotentiale der Kreislaufwirtschaft - Deutschland, EU

Recycling Abfälle
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Mit dem Übereinkommen von Paris vom Dezember 2015 haben sich in der Nachfolge des Kyoto-Protokolls erneut Mitgliedsstaaten verpflichtet, die anthropogenen Treibhausgas-(THG)-Emissionen zu reduzieren und die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber vorindustriellen Werten zu beschränken. Dazu sind eingehende Anstrengungen über alle klimarelevanten Sektoren und Quellgruppen hinweg notwendig, so auch im Abfallbereich.

Der Sektor Abfall nach Kyoto-Protokoll

Der Sektor Abfall ist nach den allgemeinen Berichterstattungspflichten des Kyoto-Protokolls auf direkte und nicht-energetische THG-Emissionen beschränkt, um eine Doppelberichterstattung zu vermeiden. Dadurch bildet sich der Beitrag der Abfallwirtschaft vor allem durch die Abkehr von der Deponierung ab. Jedoch sind hierbei weder künftig anfallende THG-Emissionen der Deponierung umfasst, noch die darüber hinaus durch die Abfallwirtschaft ausgelösten weiteren THG-Minderungspotenziale, die sich aus der stofflichen und energetischen Verwertung ergeben. Die Gesamtheit der dadurch erzielten und erzielbaren Beitragsleistungen zum Klimaschutz kann mit Hilfe der Ökobilanzmethode der Abfallwirtschaft demonstriert werden.

Klimaschutzbeitrag der Kreislaufwirtschaft in Deutschland und der EU

In diesem Vorhaben wird die abfallwirtschaftliche Situation für Deutschland und für die Europäische Union zum Stand 2017 untersucht und vor dem Hintergrund der weiterentwickelten politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der potenzielle Klimaschutzbeitrag der Kreislaufwirtschaft für das Zieljahr 2030 aufgezeigt. Betrachtet werden auch Möglichkeiten, die Vorbereitung zur Wiederverwendung und die Abfallvermeidung einzubeziehen.

Sowohl für Deutschland als auch für die Europäische Union werden Siedlungsabfälle und Lebensmittelabfälle (LMA) eingehender und Produktions- und Gewerbeabfälle (P&G) sowie Bau- und Abbruchabfälle (B&A) überschlägig untersucht. Methodisch bilden dabei die Bilanzräume für Siedlungsabfälle, P&G- und B&A-Abfälle komplementäre Bilanzräume, während die Lebensmittelabfälle als Sonderbilanzraum die LMA aus dem Siedlungsabfallbereich und dem Bereich der P&G-Abfälle umfassen.

Das Vorhaben soll dazu beitragen, Vorgaben der national und international eingegangenen Verpflichtungen von Deutschland und der Europäischen Union zum Klimaschutz erfüllen zu können. Für Deutschland wird das verbleibende THG-Minderungspotenzial aufgezeigt und dargestellt, wie die Abfallpolitik den Klimaschutz in den vergangenen Jahren vorangebracht hat und künftig voranbringen kann. Für die Europäische Union wird das THG-Minderungspotenzial zudem auch für zwei aus den EU-Mitgliedsländern definierte Cluster analysiert und gezeigt, wie eine Umgestaltung der Abfallwirtschaft Klimaschutzbeiträge leisten kann.

Ergebnisse in Kürze

Für Deutschland zeigen alle Bilanzräume im Nettoergebnis THG-Entlastungspotenziale. Die drei Herkunftsbereiche tragen hierzu etwa jeweils zu einem Drittel bei, wobei die untersuchte Abfallmenge der B&A-Abfälle fast doppelt so hoch liegt (90 Mio. t) wie die der P&G- und der Siedlungsabfälle (je rd. 50 Mio. t). In den Szenarien 2030 sind die THG-Entlastungspotenziale aufgrund der Defossilisierung des Energiesystems rückläufig. Diesem Effekt, der notwendigerweise mit zunehmender Umsetzung der dringlich zu erreichenden Klimaschutzziele eintritt, wirken abfallwirtschaftliche Optimierungsmaßnahmen entgegen. Die Umsetzung von Maßnahmen ist insbesondere bei den Siedlungsabfällen relevant wie ein „business as usual“ (BAU) Szenario verdeutlicht bei dem das Einsparpotenzial signifikant geringer ausfallen würde.

Für die EU27 zeigen ebenfalls alle Bilanzräume im Nettoergebnis THG-Entlastungspotenziale. In der EU27 liegen diese allerdings bei den Siedlungsabfällen nahe Null aufgrund der weiterhin bestehenden Anteile zur Deponierung. Der Hauptbeitrag zur THG-Entlastung resultiert von den P&G-Abfällen. Nach untersuchter Abfallmenge ist diese ähnlich hoch wie die der Siedlungsabfälle (rd. 224 ggü. 210 Mio. t), während die B&A-Abfallmenge in der EU 27 demgegenüber etwa ein Drittel höher liegt (rd. 290 Mio. t). Die in der EU27 immer noch erlaubte Deponierung von Siedlungsabfällen ist der Grund, dass die beiden definierten EU-Cluster für 2017 Klimabelastungen im Nettoergebnis aufweisen. In den Szenarien 2030 besteht umgekehrt für Siedlungsabfälle das mit Abstand höchste THG-Minderungspotenzial durch die Abkehr von der Deponierung. Weitere relevante Beiträge können durch Steigerung des Recyclings trockener Wertstoffe erreicht werden.

Für die Studie wurde eine umfassende Mengendatenerhebung durchgeführt. An vielen Stellen bestehen jedoch Datenlücken. Für die EU Statistik wird beispielsweise empfohlen die beiden Hauptstatistiken zu Abfallaufkommen und zur Abfallbehandlung im Konzept zu harmonisieren und zumindest Informationen zur Erstbehandlung zu ergänzen. Für P&G- und B&A-Abfälle mussten aufgrund der Datenlücken vielfach Annahmen getroffen werden und die Ergebnisse sind nur als orientierend zu verstehen.

Für den Sonderbilanzraum Lebensmittelabfälle (aus Siedlungsabfällen und aus P&G-Abfällen) gilt dies auch für den Herkunftsbereich P&G-Abfälle und bei den Siedlungsabfällen für die Vergärung von Lebensmittelabfällen aus dem Gewerbebereich (Küchen-, Kantinenabfälle). Am Beispiel der Lebensmittelabfälle konnte jedoch gezeigt werden, dass die Lebensmittelabfallvermeidung mit einer hohen THG-Vermeidungsleistung einhergeht. Für Deutschland liegt das THG-Entlastungspotenzial um den Faktor 4 höher als bei der Entsorgung der verursachten Lebensmittelabfälle aus Haushalten und dem Außer-Haus Verzehr.

Als Fazit ist festzuhalten, dass die Kreislaufwirtschaft mit Umsetzung abfallwirtschaftlicher Maßnahmen weiterhin wichtige Klimaschutzpotenziale beitragen kann. Für die EU27 insbesondere durch eine schnelle Beendung der Deponierung. Darüber hinaus ist der künftige THG-Minderungsbeitrag dabei notwendigerweise rückläufig, da Gutschriften für Energie aus Abfall und für ersetzte Primärproduktion zurückgehen, wenn Klimaschutzziele erreicht werden (Treibhausgasneutralität). Für künftige Studien wird deswegen empfohlen neben dem Klimawandel den Aspekt der Rohstoffschonung durch Kreislaufwirtschaft mit in den Blick zu nehmen.

Laufzeit

Januar 2019 – März 2023

Auftraggeber

Umweltbundesamt

Partner

Öko-Institut e.V.

ARGUS Berlin

Weitere Informationen

Teilbericht Deutschland

Teilbericht EU

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