KlimKreisBW

Klimaschutzpotenziale der Kreislaufwirtschaft Baden-Württemberg

Das Land Baden-Württemberg hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden. Die festgeschriebenen Sektorziele für 2030 und bis 2040 werden gemäß den internationalen Berichtsvorgaben nach Kyoto-Protokoll betrachtet. Danach ist der Sektor Abfall auf nicht-energetische Emissionen beschränkt, die Klimaschutzbeiträge durch stoffliche und energetische Verwertung entfalten sich potenziell in den Sektoren Industrie und Energie.

Mit dem Forschungsvorhaben „Klimaschutzpotenziale der Kreislaufwirtschaft in Baden-Württemberg“ wurde mit Hilfe der Ökobilanzmethode der Abfallwirtschaft erstmals eine Möglichkeit entwickelt, diese Potenziale gegenüberzustellen. Betrachtet wurden kommunale Siedlungsabfälle, mineralische Bauabfälle, Klärschlamm sowie weitere spezifische Abfallarten (z. B. Alttextilien). Ausgehend von der Ist-Situation im Jahr 2023 wurden Szenarien für die Zeithorizonte 2030 und 2040 abgeleitet. Basierend auf den Mengenströmen erfolgte eine Treibhausgas- (THG-)bilanzierung, die insbesondere nach der stofflichen und energetischen Verwertung getrennt ausgewertet wurde.

Für eine Einordnung der ermittelten Klimaschutzpotenziale gegenüber den Sektorzielen für das Land Baden-Württemberg wurden die Ergebnisse der kommunalen Siedlungsabfälle und der mineralischen Bauabfälle herangezogen und den THG-Minderungsanforderungen der Sektoren Industrie und Energie, die sich aus den Sektorzielen ergeben, gegenübergestellt. Die Nettoentlastungspotenziale für den Sektor Industrie liegen in Summe rein rechnerisch bei 27 % für 2030 und 24 % für 2040. Der Anteil der mineralischen Bauabfälle liegt jeweils bei 9 %. Gegenüber den THG-Minderungsanforderungen für den Sektor Energie bieten nur die kommunalen Siedlungsabfälle für 2030 ein Nettoentlastungspotenzial „energetisch“ in Höhe von 2 %. In einem business-as-usual-Szenario (ohne Maßnahmen) für die kommunalen Siedlungsabfälle wäre der potenzielle Klimaschutzbeitrag deutlich geringer. Die Gegenüberstellung kann nur zur Orientierung dienen. Es bestehen Datenunsicherheiten, und es ist nicht wahrscheinlich, dass die stoffliche und energetische Abfallverwertung vollständig in Baden-Württemberg zum Tragen kommt. Dennoch zeigt sie die Relevanz insbesondere der stofflichen Verwertung für den Sektor Industrie.

Zusätzlich wurden im Rahmen des Vorhabens erstmals auch Indikatoren für zirkuläres Wirtschaften auf Bundeslandebene analysiert. Sogenannte CE-Indikatoren (circular economy) sind Top-Down-Auswertungsansätze, die bisher auf EU- und Bundesebene angewendet werden, um möglichst Rückflüsse von Sekundärmaterialien in die Volkswirtschaft zu zeigen. Es zeigt sich, dass die Betrachtung der Circular Material Use Rate (CMUR) und der Cyclical Material Use Rate (PUc) auf Landesebene möglich ist. Die Indikatoren bieten eine aggregierte Übersicht über den Anteil recycelter Materialien am gesamten Materialeinsatz bzw. -konsum und ermöglichen es, langfristige Trends und Fortschritte in der Zirkularität auf Landesebene zu beobachten. Limitiert sind die Aussagen u. a. dadurch, dass die amtlichen Statistiken nicht alle Verwertungswege abbilden und die Wiederverwendung unberücksichtigt bleibt. Zudem stellt die Differenzierung nach den vier Hauptmaterialkategorien eine methodische Herausforderung dar.

Laufzeit

Oktober 2024 – August 2025

Gefördert durch

Projektträger Karlsruher Institut für Technologie (PTKA-BWP), Umweltforschung Baden-Württemberg (BWPLUS)

Weitere Informationen

Bericht und Berichtsblatt: https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/10833

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