Methanemissionen aus europäischen Deponien

Methanemissionen aus Deponien sind eine oft unterschätzte Klimaherausforderung. Methan zählt nach Kohlendioxid zu den wichtigsten Treibhausgasen – und hat über kurze Zeiträume ein höheres Erderwärmungspotenzial. Weil es nur relativ kurz in der Atmosphäre verbleibt, kann eine schnelle Reduktion spürbare Vorteile für das Klima bringen.

In der EU stammten 2021 rund 18 Prozent der Methanemissionen aus der Ablagerung fester Abfälle. Satellitendaten legen nahe, dass die tatsächlichen Werte sogar deutlich höher sein könnten.

Die Europäische Union reagiert darauf mit einem umfassenden politischen Rahmen: Weniger Deponien, mehr Recycling, Stärkung der zirkulären Wirtschaft. Ihre Klimaziele sind ambitioniert: 55 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030, Klimaneutralität bis 2050. Der Abfallsektor rückt dabei zunehmend in den Fokus – sichtbar in Diskussionen über ein Verbot unbehandelter Siedlungsabfälle und die Überarbeitung der Deponie-Richtlinie.

Im Auftrag von Kanadevia Inova analysierten Prognos und ifeu den zeitlichen Verlauf und das Ausmaß der Methanemissionen aus Deponien. Das Ziel: die Reduktion von Methan beschleunigen, Aufmerksamkeit über Datenlücken schaffen und damit eine evidenzbasierte Politikgestaltung ermöglichen.

Wir modellierten den Zeitraum und das Ausmaß der Methanemissionen, die durch die Deponierung von Siedlungsabfällen zwischen 2022 und 2050 unter verschiedenen Szenarien entstehen. Dabei wurden die Methanemissionen bis zum Jahr 2130 berechnet.

Die Reduzierung der Methanemissionen kann die Geschwindigkeit der kurzfristigen Erwärmung verlangsamen und „Zeit gewinnen“.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Methanemissionen aus Deponien sind erheblich und entstehen über lange Zeiträume hinweg. Sie hängen stark von der Abfallmenge, dem biogenen Anteil und der Effizienz der Deponiegasfassung ab.
  • Sofortige Maßnahmen – Reduzierung oder Verbot der Deponierung organischer Abfälle, Beschleunigung des Übergangs zu einer zirkulären Wirtschaft, Ausbau der Gasfassungssysteme – können die Emissionen bis 2050 erheblich reduzieren.
  • Wenn die jährlichen Deponiemengen auf dem Niveau von 2022 bleiben (Status-quo-Szenario), werden bis 2130 in der EU-27+UK voraussichtlich 1515 Millionen Tonnen CO₂e (GWP100) entstehen. Die Umsetzung des maximal 10 % Deponierungszieles für Siedlungsabfälle könnte die Methanemissionen halbieren. Ein vollständiges oder nahezu vollständiges Deponierungsverbot von Siedlungsabfällen bringt noch deutlich größere Vorteile.
  • Eine Fortschreibung des aktuellen Entwicklungstrends zwischen 2018 und 2022 zeigt, dass wichtige politische Ziele in Gefahr sind. Fünf der acht Fokusländer – Griechenland, Portugal, Rumänien, Spanien und Tschechien – sind derzeit nicht auf Kurs für das Deponierungsziel von 10 %. Die aktuelle Dynamik reicht demnach nicht aus, um die korrespondierenden Potenziale für die Methanreduktionen zu erreichen.
  • Auch wenn die Deponierung von Siedlungsabfällen sinkt, setzen alte Deponien noch jahrzehntelang Methan frei. Langfristige Minderungsstrategien sind daher notwendig. Beispielsweise werden im Status-quo-Szenario 37 % der Gesamtemissionen (562 Mt CO2e) noch nach 2050 freigesetzt, wenn die modellierte Deponierung von Siedlungsabfällen eingestellt ist.
  • Daten- und Methodiklücken bleiben ein Hindernis für eine genaue Verfolgung und eine wirksame Politikgestaltung. Bessere Datensätze, eine verbesserte Transparenz der Parameter und eine verstärkte Überwachung (einschließlich Satellitendaten) sind unerlässlich.
  • Die Reduzierung von Methan ist ein entscheidender kurzfristiger Hebel, um die EU-Klimaziele zu unterstützen und schnelle Klimavorteile zu erzielen.

Die Studie unterstreicht die Bedeutung einer Stärkung der Datengrundlagen und der Einführung einheitlicher Modellierungsansätze zur Unterstützung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen im Abfallsektor.

Unsere Vorgehensweise

Für die Studie entwickelten wir gemeinsam mit unserem Projektpartner Prognos (Leitung) eine szenariobasierte quantitative Bewertung der zukünftigen Methanemissionen durch Siedlungsabfälle, die zwischen 2022 und 2050 innerhalb der EU27+UK deponiert werden. Dabei wurden die Emissionen bis 2130 ermittelt. Zusätzlich zur Gesamtbetrachtung auf Ebene der EU-27+UK führten wir detaillierte länderspezifische Bewertungen für das Vereinigte Königreich, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal, Rumänien und Tschechien durch.

Die Studie bewertet auch die Datenqualität, die methodische Konsistenz und die Unsicherheiten anhand länderspezifischer Analysen, einschließlich detaillierter Überprüfungen der Nationalen Inventardokumente (NIDs), die der UNFCCC vorgelegt wurden.

Laufzeit

April 2025 – November 2025

Auftraggeber

Kanadevia Inova AG

Partner

Prognos AG

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