Umweltbilanz von Fruchsäften

Konsum von Fruchtsäften

Der Fruchtsaftkonsum in Deutschland hat sich in den vergangenen fünf Jahren bei knapp über 30 Litern pro Kopf eingependelt. Dieser Wert liegt zwar ein ganzes Stück unter den Spitzenwerten von über 40 Litern pro Kopf von den 1990ern bis in die 2010er Jahre, andererseits aber weit über den Werten der 1970er und 1980er.

Beliebteste Fruchtsäfte

Die beliebtesten Säfte sind – nicht überraschend – Orangensaft und Apfelsaft. Dabei liegt Apfelsaft pur und als Schorle zusammen in der Gunst des deutschen Konsumenten immer noch vorne. Während wir die Umweltbilanz von Äpfeln und Apfelsaft schon vor mehreren Jahren genauer angeschaut haben, haben wir uns angesichts der weiterhin hohen Beliebtheit von Orangensaft nun auch mit dessen Umweltbilanz beschäftigt und sie dem Apfelsaft gegenübergestellt.Umweltbilanz von FruchsäftenUmweltbilanz von Fruchsäften

Die Herstellung von Orangensaft

Weltweit werden pro Jahr ca. 69 Millionen Tonnen Orangen geerntet.  Damit sind sie die am meisten angebauten und gehandelten Zitrusfrüchte. Die Orange entstand vor ca. 4000 Jahren durch die Kreuzung von Mandarine und Pampelmuse. Momentan gibt es rund 400 verschiedene Sorten, die sich im Saft-, Zucker- und Säuregehalt und somit auch im Geschmack unterscheiden. Brasilien ist das Land mit den größten Anbaugebieten und der bedeutendste Produzent von Orangensaftkonzentrat und -direktsaft weltweit. Spanien exportiert global die meisten Orangen für den direkten Verzehr. In den USA werden ebenfalls große Mengen an Orangen für Saft angebaut, jedoch wird dieser auf dem heimischen Markt verkauft und spielt deshalb für den Orangensaftkonsum in Deutschland praktisch keine Rolle. Dementsprechend haben wir uns drei Fälle genauer angeschaut:

  1. Orangendirektsaft; Herkunft Brasilien
  2. Orangensaft aus Konzentrat; Herkunft Brasilien
  3. „Zuhause-Pressung“ aus spanischen Orangen

Was ist der Unterschied zwischen Konzentrat und Direktsaft? Beim Orangensaftkonzentrat wird dem Saft nach dem Pressvorgang Wasser und Aroma entzogen. Übrig bleibt Konzentrat, welches bis kurz vor der Saftherstellung und über die gesamte Transportstrecke eingefroren ist und nur noch ca. 17% des Erntegewichts hat. Am Zielort wird dem Konzentrat Wasser und das beim Konzentrieren gewonnene Aroma wieder hinzugefügt. Danach wird der Orangensaft pasteurisiert, damit er haltbar bleibt. Direktsaft wird nach dem Pressen gefiltert und anschließend erhitzt, damit der Gärprozess verhindert wird. Anschließend wird der Orangensaft entweder direkt abgefüllt oder in großen Tanks für eine spätere Abfüllung gelagert.

Die Klimabilanz von Orangen- und Apfelsaft

Um einen Liter Orangensaft herzustellen, muss sowohl für den Saft aus Konzentrat als auch für den Direktsaft die gleiche Menge an Früchten angebaut werden, weshalb sich der Aufwand beim Anbau nicht unterscheidet. Wegen der größeren Masse des Direktsafts im Vergleich zum Orangensaft­konzentrat, sind die Umweltlasten des Direktsafts, die durch den Transport verursacht werden, naturgemäß höher. Dies ist letztlich ausschlaggebend dafür, dass die Klimabilanz des Direktsafts mit ca. 690 kg CO2-Äquivalenten leicht un­günstiger ausfällt als die des Safts aus Konzentrat mit ca. 720 kg CO2-Äquivalenten.

Presst der Kunde seinen Orangensaft selbst, werden mit ca. 650 kg CO2-Äquivalenten insgesamt am wenigsten Treibhausgase (THG) verursacht, obwohl die Saftausbeute beim Selberpressen niedriger ist als beim industriellen Herstellungsprozess. Trotz der geringeren Entfernung trägt der Transport hier maßgeblich zur THG-Bilanz bei. Der Transport der ganzen Orange mit dem LKW bis zum Endkunden ist hier ausschlaggebend.

Die Abbildung links zeigt auch, dass der Klima-Fußabdruck von Apfelsaft aus Deutschland nur etwa halb so groß ist wie der von Orangensaft. Der Direktsaft zeigt sich dabei vorteilhafter. Das liegt vor allem daran, dass keine Energie für die Herstellung von Konzentrats verbraucht wird.

Die Wasserbilanz von Orangen- und Apfelsaft

Welche Auswirkungen hat die Düngemittelausbringung beim Anbau von Orangen und Äpfeln auf Gewässer? Die Grafik links zeigt diese gemessen als Aquatische Eutrophierung in Form von sogenannten Phosphatäquivalenten.

Um in der Landwirtschaft hohe Ernten zu erzielen, wird Phosphor und Stickstoff eingesetzt. Diese beiden Stoffe verbessern das Wachstum von Pflanzen und erhöhen dadurch die Erträge. Nicht von der Pflanze aufgenommene Düngemittel werden u. a. durch Regenfälle ausgewaschen. Dadurch gelangen diese Stoffe in nahegelegene Oberflächengewässer und von dort ins Grundwasser. Die Folge ist eine Verschlechterung der Wasserqualität, z. B. durch überhöhte Nitratwerte was gesundheitsschädliche Folgen haben kann. Weil er Düngemitteleinsatz je Hektar Orangenplantage in Brasilien besonders hoch ist, sind auch die Werte für den Orangensaft höher.

Der Anbau von Orangen erfolgt in klimatisch dafür geeigneten Ländern. Die angestrebten hohen Erträge erfordern in der Regel jedoch eine ausreichende künstliche Bewässerung. Dabei ist Frischwasser häufig ohnehin eine knappe Ressource. Zur Bestimmung der Umweltwirkung der Frischwasser­entnahme wird daher der Bewässerungsbedarf mit einem Knappheitsfaktor multipliziert. Daraus ergibt sich das Wasserknappheitspotential von Orangensaft (Grafik links).

Hinter der Einheit „m3 Welt-Äquivalente“ verbirgt sich eine komplexe methodische Herleitung. Die Methode als solche beruht auf einem weltweiten wissenschaftlichen Konsens und kann am einfachsten als eine relative Größe verstanden werden. Dabei wird ersichtlich, dass der Orangenanbau in Spanien die lokale Wasserverfügbarkeit erheblich stärker gefährdet als der derjenige in Brasilien. Die Minimum- und Maximum-Werte geben dabei jeweils die Wasserknappheitspotenziale der wichtigsten Orangenanbaugebiete in Brasilien und Spanien wieder.

Weitere umweltrelevante Aspekte

Orangensaft ist kein regionales Lebensmittel. Entsprechend hoch ist der logistische Aufwand, der betrieben werden muss, bis der Saft beim Endverbraucher in Deutschland ankommt. Die Orangen aus Spanien werden 1800 km mit dem LKW hierher transportiert. Durch den schnellen Transport sind die Früchte kurz nach der Ernte im Einzelhandel erhältlich. Brasilien ist der größte Orangensafthersteller weltweit. Dort werden die Orangen nach der Ernte im Mittel zuerst 150 km mit dem LKW zur Saftpresse gefahren. Nach Fertigstellung des Konzentrats bzw. des Direktsaftes erfolgt der ca. 10.000 km lange Schiffstransport nach Europa. Im Zielhafen angekommen, müssen noch einmal 700 km mit dem LKW zurückgelegt werden, bis der Saft im Einzelhandel erhältlich ist. Hinzu kommt, dass das Orangensaftkonzentrat am Zielort noch mit Wasser versetzt und anschließend pasteurisiert werden muss.

Food Miles

Für die hier vorgestellten verzehrfertigen Orangensäfte wurde ein Getränkekarton als Verpackung angenommen. Sein Beitrag zum CO2-Fußabdruck liegt dabei unter 10 Prozent der durch Saft und Verpackung zusammen verursachten Umweltlasten. Andererseits macht er ungefähr den Unterschied zum unverpackten vom Verbraucher selbstgepressten Saft aus. Der Einzelhandel bietet vermehrt die Möglichkeit an, Orangensäfte maschinell vor Ort direkt zu pressen und abzufüllen. Die dafür verwendeten PET-Flaschen sind relativ schwer. Wir haben diese Konsumvariante nicht separat bilanziert, aber nach unserer Einschätzung ist der CO2-Fußabdruck solcher Säfte mindestens so hoch wie derjenige der verpackten.

Relevanz der Verpackung

Neben dem Konsum als Saft werden Früchte natürlich auch als frisches Obst verzehrt. Neben Äpfeln und anderen einheimischen Obstarten spielen dabei Südfrüchte zunehmend eine Rolle. Dabei zeigt sich, dass Äpfel aus der Region einen deutlich geringeren Klima-Fußabdruck als die aus Übersee oder Südeuropa angelieferten Importfrüchte aufweisen.

Kontakt

Benedikt Kauertz

Dipl.-Ingenieur (TU) Raum- und Umweltplanung
Fachbereichsleiter
+49 (0)6221 4767 57
benedikt.kauertz@ifeu.de