Die meisten Ein- und Zweifamilienhäuser werden mit einer Zentralheizung beheizt und haben ausreichend Platz für Heizungstechnik, genügend Grundstücksfläche und die nötigen Abstände zu Nachbargrundstücken. Aufgrund geringer Leitungslängen bestehen zudem keine Temperaturanforderungen zur Gewährleistung einer hygienischen Trinkwarmwasserverteilung. Diese Aspekte vereinfachen den Umstieg auf eine nachhaltige Heiztechnik.
Für den Einsatz von Wärmepumpen sind die Bedingungen oft gut. Liegt die Heizungstemperatur auch an kalten Wintertagen unter 55 °C, kann eine Wärmepumpe effizient betrieben werden. In den meisten Häusern ab Baujahr 1995 kann eine Wärmepumpe einfach eingebaut werden. Auch in Häusern ab Baujahr 1978 lässt sie sich oft schon dann effizient einsetzen, wenn einzelne Heizkörper getauscht werden. Bei älteren Häusern ist für eine Wärmepumpe hingegen meist eine Verbesserung des baulichen Wärmschutzes empfehlenswert.
Beim Einsatz von Gasheizungen mit Biomethan und Biomasse- Festbrennstoffkesseln sollte bedacht werden, dass Biomasse nur begrenzt vorhanden ist. Gasheizungen sind zudem auf den Fortbestand eines Gasnetzes und Weiterbetrieb mit fossilen, klimaunfreundlichen Gasen angewiesen. Dies wird nur bei einem Teil der Gasnetze der Fall sein. Wärmenetze werden in Einfamilienhaussiedlungen auch zukünftig weniger verbreitet sein als in dicht besiedelten / innerstädtischen Lagen.
Dr. Jakob Metz
Dr. Ing. Energieeffizientes und nachhaltiges Bauen
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Empfehlenswerte Heiztechnologien
für das Ein- und Zweifamilienhaus
Wärmepumpe
Die Wärmepumpe macht mithilfe von Strom Wärme aus der Umwelt (Typischerweise Außenluft oder Erdreich) nutzbar, indem sie diese auf ein für Heizung und Trinkwarmwasserbereitung ausreichendes Temperaturniveau hebt. Je geringer die Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Heizung, desto effizienter kann die Wärmepumpe arbeiten. Bei sommerlichem Kältebedarf kann mit einer reversiblen Wärmepumpe auch gekühlt werden.
Szenarien zeigen, dass Wärmepumpen bis 2045 einen großen Anteil des Wärmebedarfs von Gebäuden decken werden. Für viele Gebäude sind mit einer Luft-Wärmepumpe die geringsten Gesamtkosten zu erreichen. Auch ökologisch ist die Wärmepumpe meist die beste Wahl, da sie überwiegend Umweltwärme nutzt. Mit erneuerbarem Strom ist ihr Betrieb klimaneutral.
Und auch mit dem 2023 erreichten Anteil von über 50 % erneuerbarem Strom im Stromnetz verursacht eine Wärmepumpe deutlich weniger CO2-Emissionen als eine Öl- oder Gasheizung.
Solarthermie-Hybridheizung
Solarthermische Kollektoren nehmen die Wärme der Sonne auf und transportieren sie mittels einer Flüssigkeit zu einem Wärmespeicher. Hierfür kommen entweder Flachkollektoren oder die effizienteren Vakuum-Röhrenkollektoren zum Einsatz. Mit der solaren Wärme wird dabei meist ein Hauptwärmeerzeuger unterstützt, etwa ein Pelletkessel oder eine Wärmepumpe. Die solare Unterstützung kann für Trinkwarmwasser ebenso wie für Raumwärme genutzt werden.
Als alleinige Heiztechnik reichen Solarthermiekollektoren aber nicht aus. Durch Solarthermie-Unterstützung können die Gesamtkosten einer mit Biomethan betriebenen Gas-Brennwertheizung gesenkt werden.
Wärmenetz
Traditionelle Wärmenetze verteilen zentral erzeugte Wärme meist als heißes Wasser mit über 100°C durch unterirdische Leitungen an mehrere Gebäude. Ein Wärmeübertrager übergibt dort die Wärme an das Wärmeverteilsystem für die Raumwärme und die Erhitzung des Trinkwarmwassers. Wärmenetze liegen oft in dichter bebauten Gebieten und sind eine einfache Lösung für die Wärmeversorgung.
In neuen Netzen liegen die Temperaturen oft nur zwischen 60 und 80 °C. Das erleichtert den Einsatz klimaneutraler Wärmequellen und führt zu mehr Energieeffizienz. Durch Großwärmepumpen kann Umweltenergie aus dem Erdreich, Flüssen, Seen oder der Luft nutzbar gemacht werden.
Biomasse-Festbrennstoffkessel
Biomasse-Festbrennstoffkessel sind Zentralheizungen und werden meist automatisch befeuert. Das unterscheidet sie grundlegend von Kaminöfen.
Die Biomassekessel verbrennen Holz in Form von Pellets, Scheiten oder Hackschnitzel, um Wasser für Heizung und Trinkwarmwasser zu erwärmen. Holzheizungen erreichen hohe Vorlauftemperaturen für die zentrale Heizung und können deshalb ohne energetische Modernisierungsmaßnahmen im Bestand eingesetzt werden. Die Verbrennung setzt das im Holz gebundene CO2 frei. Bei der Nutzung als Bau- oder Möbelholz wird das CO2 hingegen zeitweilig gebunden. Aus ökologischen Gründen sollten deshalb vor allem Rest- und Althölzer für die Verbrennung genutzt werden – und nur dann, wenn andere Heizungslösungen nicht zur Verfügung stehen.
Kosteninformationen
Günstigste Lösung im EFH: die Luft-Wärmepumpe
Trotz hoher Anschaffungskosten hat die Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem teilmodernisierten Einfamilienhaus unter Einbezug der BEG-Grundförderung von 30 % die günstigsten Gesamtkosten. Mit weiteren Boni verringern sich die Gesamtkosten zusätzlich. Die Hybrid-Wärmepumpe und die Pelletheizung weisen etwas höhere Gesamtkosten auf. Die mit 65 % Biomethan betriebene Gasbrennwertheizung ist das teuerste wasserbasierte Heizungssystem. Für Wasserstoff sind die Kosten derzeit kaum vorhersehbar, es werden jedoch deutlich höhere Preise als beim Erdgas prognostiziert. Die Stromdirektheizung führt über die Betriebsjahre zu etwa 1,5-fachen Gesamtkosten gegenüber einer mit 65 % Biomethan betrieben Gasheizung.
Förderungsmöglichkeiten
Für den Wärmenetzanschluss, die Installation einer Wärmepumpe, eines Biomasse-Festbrennstoffkessels oder der Wärmepumpe einer Hybridheizung sowie für die Investitionsmehrausgaben einer wasserstofffähigen Gasheizung gibt es eine staatliche Grundförderung.
Für selbstnutzende Eigentümer bestehen zwei weitere Förderbausteine: Für eine schnelle Umsetzung bis Ende 2028 gibt es einen Klimageschwindigkeitsbonus, der dann bis 2037 schrittweise abnimmt. Zudem wird Haushalten mit geringem Einkommen ein Einkommensbonus gewährt. So kann eine Gesamtförderung von bis zu 70 % erreicht werden.
Weiterhin gibt es Stand 2024 einen Effizienzbonus für Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel oder den Wärmequellen Erdreich, Wasser oder Abwasser von 5 %. Auch Maßnahmen an der Gebäudehülle (wie Wärmedämmung), Fachplanung und Baubegleitung werden bezuschusst.