Integrierte Lebenszyklus-Nachhaltigkeitsbewertung

Motivation

Wenn eine neue Technologie oder ein neues Produkt entwickelt wird, können Entscheider oftmals nicht abschätzen ob oder unter welchen Bedingungen die Einführung oder Produktion unterstützt werden sollte. Es entsteht eine klassische Entscheidungssituation, die von Entscheidungshilfen in Form von Nachhaltigkeitsanalysen vorab deutlich profitiert. Solche Gutachten richten sich in erster Linie an Politiker, die in ihrer Rolle für das langfristige Wohlergehen der Bevölkerung verantwortlich sind. Darüber hinaus werden Nachhaltigkeitsanalysen immer wichtiger für Unternehmen. Im Rahmen des Unternehmensmanagements müssen Entscheidungen zu Investitionen getroffen werden, denen langfristige Geschäftsperspektiven zu Grunde liegen. Diese wiederum werden mehr und mehr von Nachhaltigkeitspolitik und -gesetzgebung und öffentlicher Wahrnehmung beeinflusst. Daher ist es unerlässlich, Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit und eventuelle Nachteile sichtbar zu machen.

Methode

Methodische Ansätze zu Lebenszyklusanalysen wie die Ökobilanz (life cycle assessment, LCA), die Lebenszykluskostenrechnung (life cycle costing, LCC) und das social life cycle assessment (sLCA) stellen wertvolle Werkzeuge für die Entscheidungshilfe dar. Sie analysieren die Auswirkungen eines gesamten Produktlebenszyklus auf einzelne Nachhaltigkeitsaspekte. Mit steigender Anzahl der analysierten Aspekte wird es aufgrund der erhöhten Komplexität jedoch schwierig, einheitliche Schlussfolgerungen und konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Die Integrierte Lebenszyklus-Nachhaltigkeitsanalyse (Integrated life cycle sustainability assessment, ILCSA) baut auf diesen Methoden auf und stellt somit einen praktischen Ansatz zur Integration dar. Durch die Einführung von gemeinsamen Definitionen, Rahmenbedingungen und Systemmodellen wird die parallele Bewertung von individuellen Nachhaltigkeitsaspekten harmonisiert. Der Ansatz ist flexibel und offen für die Bewertung aller Aspekte, die nachhaltigkeitsrelevant sind, und für alle gängigen Methoden (z.B. LCA, LCC und sLCA). Darüber hinaus analysiert die ILCSA potentielle Hindernisse, die mit unbeabsichtigten Nebeneffekten verbunden sein könnten, die erst dann auftreten, wenn ein vermeintlich nachhaltiges Szenario realisiert wird (Beispiel: die begrenzte Verfügbarkeit von Biomasse kann Betreiber von Biomasse-Kraftwerken dazu zwingen, auf nicht-nachhaltige Quellen auszuweichen). Schlussendlich werden die Ergebnisse in einer strukturierten Diskussion integriert, die keinerlei kontroverse Gewichtungsfaktoren benötigt. So werden Synergien und Konflikte bezüglich verschiedener Nachhaltigkeitsziele herausgearbeitet. Dies schafft Transparenz, erleichtert das Management und vermeidet eine Verschleierung der Komplexität der untersuchten Systeme.

Praktische Erfahrung in der Anwendung

Die ILCSA wurde und wird erfolgreich in der Begleitforschung bei vielen großangelegten Projekten zur Technologieentwicklung angewendet. Die Bandbreite der integrierten Methoden und der bewerteten Auswirkungen umfasst regionale und globale Umweltwirkungen (mit LCA), lokale Umweltwirkungen (mit LC-EIA), Ressourcenverfügbarkeit (mit Biomassepotentialanalysen), wirtschaftliche Auswirkungen (mit LCC), Marktpotentiale, technologische Risiken und Reife (mit Technologiebewertung), soziale Aspekte (mit sLCA und Sozialverträglichkeitsprüfungen, SIA) und rechtliche Aspekte. Beispiele für die vielfältige Anwendung finden sich in den Berichten zu Nachhaltigkeitsanalysen weiter unten.

Verfügbare Berichte

Projekte

Kontakt:

Dr. Heiko Keller

Dr. rer. nat., Dipl.-Biochemiker
Tel.: +49 (0)6221 4767 777
E-Mail: heiko.keller@ifeu.de

Dr. Guido Reinhardt

Dr. rer. nat.
Tel.: +49 (0)6221 4767 31
E-Mail: guido.reinhardt@ifeu.de